Am 15.10.2022 fand in Wien der jährliche christlich-fundamentalistische „Marsch fürs Leben“ statt. Es nahmen rund 1500 Personen teil. Die Veranstaltung wurde vom gleichnamigen Verein organisiert. Neben ÖVP-Abgeordneten beteiligten sich auch Neonazis und Rechtsextreme an dem Aufmarsch.
Erneut trat Alexander Tschugguel als Mitorganisator in Erscheinung. Er ist bereits mehrfach bei rechtsextremen Kundgebungen als Redner aufgetreten und pflegt enge Verbindungen zur katholisch-traditionalistischen „Piusbruderschaft“, die wiederholt durch antisemitische Äußerungen auffiel. Tschugguel ist außerdem Gründer des fundamentalistischen „St. Boniface Instituts“, mit dem er regelmäßig Gebetskundgebungen in der Wiener Innenstadt organisiert hat. Mehrere Personen aus dem Umfeld dieser Organisationen waren beim „Marsch fürs Leben“ unter anderem als Ordner tätig. Von der Bühne aus moderierte Ludwig Brühl die Veranstaltung.
Unter den Teilnehmenden befanden sich auch Rechtsextreme aus dem Umfeld der Neonazi-Gruppe „Tanzbrigade“. Zeitweise gingen diese direkt hinter dem Fronttransparent. Auch Mitglieder der „Freiheitlichen Jugend“, des „Ring Freiheitlicher Studenten“ (RFS) und den „Identitären“ waren anwesend. Eine klare Trennung dieser Gruppen ist oft kaum möglich, da es zahlreiche personelle Überschneidungen zwischen FPÖ-Vorfeldorganisationen und den neofaschistischen „Identitären“ gibt.
Darüber hinaus nahmen auch QAnon-Anhänger*innen, Staatsverweigererinnen sowie Personen aus dem Umfeld von „Studenten stehen auf“ teil – einer Gruppierung, die ebenfalls enge Verbindungen zu den „Identitären“ aufweist. Weitere Organisationen, die beim „Marsch fürs Leben“ sichtbar waren, waren unter anderem „CitizenGO“, die „Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ sowie die „Jugend fürs Leben“.
Erneut wurde deutlich, wie der „Marsch fürs Leben“ ein breites Spektrum von der ÖVP bis ins militant-rechtsextreme Milieu vereint.
Kinder wurden gezielt in die ersten Reihen gestellt, offenbar, um die Außenwirkung der Demonstration zu verbessern.
Die Stimmung während der Veranstaltung war stellenweise pressefeindlich. Journalist*innen wurden mit Regenschirmen an der Arbeit gehindert. Auch von Seiten der Polizei kam es wiederholt zu Behinderungen der Pressearbeit. Ein Fotograf wurde unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen kurzfristig festgehalten und angezeigt.



































Am Helmut-Zilk-Platz organisierten antifaschistische und feministische Gruppen wie bereits in den Vorjahren eine Gegenkundgebung. Auf der Ringstraße kam es zudem zu spontanen Blockadeversuchen durch Aktivist*innen. Der Marsch musste daraufhin kurzzeitig angehalten werden. Die Blockade wurde von der Polizei mit einem Großaufgebot – darunter Bereitschaftseinheiten und die Sondereinheit WEGA – eingekesselt und aufgelöst. Die Gegendemonstration wurde über mehrere Stunden festgesetzt; rund 30 Personen wurden, teils unter Anwendung von Schmerzgriffen, festgenommen.
Zur Einschüchterung wurde eine Hundestaffel eingesetzt, zwei Drohnen kamen zur Überwachung der Gegendemonstration zum Einsatz.
Trotz massiver Polizeipräsenz gelang es weiteren linken Aktivist*innen im späteren Verlauf, ihren Protest entlang der Route durch Plakate und lautstarke Parolen zum Ausdruck zu bringen.














