Wien: Queerfeindliche „Mahnwache“ gegen Vienna Pride (13.06.2026)

Am 13. Juni 2026 veranstaltete der christlich-fundamentalistische Anti-Abtreibungsverein „Pro Vita – Bewegung für Menschenrecht auf Leben“ eine „Mahnwache und Sühnegebet für die Familie“ beim „Zahnwehherrgott“ am Stephansdom in Wien. Die Veranstaltung richtete sich gegen die zeitgleich stattfindende Wiener Regenbogenparade. Im Aufruf war die Rede von einer „sündhaften Homoparade“, zudem hieß es weiter: „Wir wollen um Gnade und Barmherzigkeit für unser Land und alle Seelen beten, die vom Teufel verführt sind“.

Von 2012 bis 2023 veranstaltete ebendieser Verein im Bündnis „Plattform Familie“ den rechtsextremen „Marsch für die Familie“. Das Rebranding des rechtsextremen LGBTQIA+-feindlichen Aufmarsches vom „Marsch für die Familie“ hin zum „Gebetsmarsch für die Familie“ und schließlich „Mahnwache und Sühnegebet für die Familie“ erfolgte aufgrund des jahrelangen antifaschistischen Gegenprotests und sinkender Teilnehmer*innenzahlen. Weiters sind nach dem Tod der ehemaligen Mitorganisatoren Alfons Adam und Georg Immanuel Nagl und nach der Auflösung des Vereins „Wiener Akademikerbund“ zentrale Figuren hinter dem „Marsch für die Familie“ weggefallen.

An der diesjährigen Versammlung nahmen etwa 20 Personen teil. Im letzten Jahr waren es noch 40 Teilnehmende beim sog. „Gebetsmarsch für die Familie“. Auffällig war die hohe Anzahl an Kindern, die heuer an der LGBTQIA+-feindlichen Veranstaltung teilnehmen mussten. Der Vorsitzende des Vereins „Pro Vita“, Jakob Steinbauer betete in der ersten Reihe vor. Auch die „Militia Immaculatae“ rief zum Sühnegebet auf. Diese ist in Österreich eng mit der traditionalistischen „Bruderschaft St Pius X“ (Piusbruderschaft) verbunden. So wird die Prozessionsfahne der „Militia Immaculatae“ etwa bei den Prozessionen der Piusbruderschaft getragen. Auch der Hauptsitz der „Militiae Immaculata“ befindet sich im Hauptsitz des Distrikts Österreich der Piusbruderschaft im Schloss Jaidhof in Niederösterreich.

Einzelne Teilnehmerinnen der Kundgebung versuchten anwesende Fotojournalistinnen an ihrer Arbeit zu hindern, schubsten und bespuckten diese. Die Veranstalter*innen warnten zudem vorab vor „gewaltbereiten Gegendemonstranten“. Die unter dem Namen „Marsch fürn Arsch“ veranstaltete Gegendemonstration, die sich am Stephansplatz versammelte und zum Heldenplatz zog, endete allerdings bereits vor Beginn des Gebets. Es kam folglich zu keiner Konfrontation zwischen Teilnehmenden.