Wien: Rechtsextreme Kundgebung der „Identitären“ am Kahlenberg (12.09.2026)

Die rechtsextremen „Identitären“ riefen am 12. September 2026 unter ihrem Tarnlabel „Gedenken 1683“ zu einer Kundgebung am Kahlenberg auf, um der Verteidigung Wiens gegen die 2. sogenannte „Türkenbelagerung“ zu gedenken. Da die Gruppe ihre Sommerdemo heuer nicht wie gewohnt in der Innenstadt abhalten konnten, diente die „Gedenkkundgebung“ gewissermaßen als Ersatzveranstaltung, die Mobilisierung fiel dafür allerdings  eher bescheiden aus. Es versammelten sich lediglich rund 150 Rechtsextreme und Neonazis.

FPÖ-Funktionär*innen blieben der Kundgebung weitgehend fern, nachdem führenden Köpfen der „Identitären“ gewaltätige Angriffe vorgeworfen werden. Die Partei geriet durch ihre Nähe zu den „Identitären“ in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck. Matthias Ohm, Fotograf für die „Identitären“ sowie die FPÖ, übernahm allerdings die Demoleitung. Anwesend waren außerdem internationale Gäste aus Polen, Italien, der Slowakei, Großbritannien  und Deutschland.

Unter anderem traten folgende Personen während der Kundgebung als Redner auf:

  • Martin Sellner („Identitäre“)
  • Ján Čarnogurský (ehemaliger slowakischer Ministerpräsident, SK)
  • Marcin Osowski (Vositzender der „Młodzież Wszechpolska“, PL)
  • Ronald Schwarzer (Betreiber des „Ferdinandihof“)
  • Lorenzo Gasparini („Futuro Nazionale“, IT)
  • Christoph Albert („Identitäre“)
  • Andrew Moffatt („Traditional Britain Group“, EN)
  • Alexander Szostek („Save Europe Act“)
  • Jona Lion („Save Europe Act“)
  • Milan Mazurek („Hnutie Republika“, EU-Parlamentarier in der: „Fraktion Europa der Souveränen Nationen“, SK)
  • Adrian Kochan („Młodzież Wszechpolska“, PL)

Unter den Teilnehmer*innen befand sich eine etwa 40-köpfige Delegation der polnischen rechtsextremen Organisation „Młodzież Wszechpolska“ („Allpollnische Jugend“). Diese traten mit eigenen Fahnen, einem Transparent sowie einer Statue des König Jan III. Sobieski auf der Veranstaltung auf.

Auch eine Guppe Neonazis, die dem Gruppengeflecht rund um die „Tanzbrigade“, „Stahlschlag“ (ehem. „Division Wien“) sowie der „Brigada Beč“ angehören, waren zugegen. In Begleitung dieser Gruppe waren zwei Mitglieder der serbischen Neonazigruppe „Srbska Akcija“, die auf T-Shirts und Kappen Symbole der serbischen faschistischen Partei „ZBOR“ trugen. Dabei handelt es sich zur Zeit des Königreichs Jugoslawien um Nazikollabolateure, die Jüdinnen*Juden sowie Tito-Partisan*innen verfolgten und aus der sich im Holocaust eine Hilfstruppe für die Gestapo formierte. Die zwei Mitglieder der „Srbska Akcija“ posierten am Ende der Kundgebung beim Sockel für das nicht errichtete Sobieski-Denkmal am Kahlenberg mit einer Fahne, die sich aus der serbischen Nationalfahne, dem Symbol von „ZBOR“ und der „Akcija Srbska“ zusammensetzte, für ein Foto. Im Anschluss an die Kundgebung veröffentlichte die „Srbska Akcija“ Fotos von der Kundgebung mit folgendem antisemitischen und rassistischen Text auf ihrem Telegram-Kanal:

Übersetzt vom Serbischen ins Deutsche: „(…) Auch wir heute und unsere Völker müssen und als Bestandteil jenes wahren Europas wie die Helden der Verteidigung Wiens vereinigen und eine gemeinsame Front zur Verteidigung christlicher Werte und zum Kampf für das rassisch-biologische Überlegen gegen die zionistischen Übeltäter bilden, die über ihre Machtinstrumente der NATO und die Europäische Union die Migrationsinvastion steuern. (…)“

Zudem nahmen Personen aus dem Dunstkreis Gottfried Küssels an der Kundgebung teil, darunter Harald Schmidt, der in der sog. „Corona-Querfront“ eine wichtige Rolle spielte.

Anwesend war auch „PEGIDA-Vorarlberg“-Gründerin Susanne Andrea Helfenbein. Ihr Sohn Marco Helfenbein musste sich vor Gericht bereits wegen mehrfacher Sachbeschädigung, Schändung eines jüdischen Friedhofs, Wiederbetätigung und versuchter schwerer Körperverletzung verantworten.

Einige Teilnehmer der Kundgebung sind dem Umfeld der traditionalistischen „Priesterbruderschaft St Pius X.“ (Piusbruderschaft) zuzuordnen. Drei Redner, Ronald Schwarzer, Andrew Moffatt und Lorenzo Gasparini, nahmen am Tag nach der Versammlung, am Sonntag, den 13. September, auch an der Marienprozession der Piusbruderschaft in Wien teil. Ronald Schwarzer ist der Besitzer des „Ferdinandihofs“, in dem die „Identitären“ nach ihrer Kundgebung eine geschlossene Veranstaltung abhielten. Der „Ferdinandihof“ stellt einen wichtigen Veranstaltungs- und Vernetzungsort für Rechtsextreme in Wien dar. Lorenzo Vannacci gilt als eine der zentralen Figuren der rechtsextremen italienischen Partei „Futuro Nazionale“. Andrew Moffat ist ein Vertreter der rechtsextremen englischen Lobby-Organisation „Traditional Britain Group“.

Der Kader der „Identitären“ und Mitorganisator der Kundgebung Dominik Bursik trug während der Veranstaltung Smart Glasses.

Journalist*innen wurden dauerhaft mittels Regenschirmen bei der Arbeit behindert, es fielen zudem rassistische und sexualisierende Kommentare. Jede Form antifaschistischen Protests im Umfeld der Kundgebung wurde durch die Polizei verhindert, auch der Linienbus war zeitweise außer Betrieb. Eine Gegendemonstration fand in Heiligenstadt statt, bewegte sich allerdings in die vom Kahlenberg und somit den „Identitären“ entgegengesetzte Richtung. 

Am Folgetag versammelten sich außerdem eine kleine Gruppe Rechtsextremer vor der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße zu einer Aktion. Mit einer Sobieski-Statue, Pyrotechnik und einem Transparent mit dem Schriftzug „Sobieskis Grab kennen wir bereits, aber auf sein Denkmal warten wir noch immer“ ausgestattet protestierten sie gegen die Entscheidung der Stadt Wien, kein Sobieski-Denkmal zu errichten.