Am 4. Februar 2026 trafen sich etwa 50 religiöse Fundamentalist*innen zu einer Rosenkranzprozession, die von der Initiative „Österreich betet“ organisiert wurde. Die Gruppe versammelte sich am Minoritenplatz und zog von dort aus betend über den Michaelerplatz und den Graben zum Stephansplatz. Diese Prozession war eine von neun Veranstaltungen, die zeitgleich in mehreren Landeshauptstadten Österreichs abgehalten wurden.
Der Gebetsmarsch sowie der Verein „Österreich betet“ haben starke Verbindungen zur traditionalistischen „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (Piusbruderschaft). Erstens ist die Minoritenkirche, vor der sich die Teilnehmer*innen des Gebetsmarsches sammelten, im Besitz der Bruderschaft. Zweitens unterstützten mehrere teils hochrangige Geistliche des österreichischen Distrikts der Piusbruderschaft die Initiative in Form von Aufrufen, Videobotschaften und persönlicher Teilnahme an den Gebetsmärschen.
Drittens ist Louis-Pierre Laroche, Gründer und Obmann des Vereins „Österreich betet“, auch Mitglied der „Militia Immaculatae“, die in Österreich eng mit der Piusbruderschaft verbunden ist. Weiters nahmen sowohl Laroche als auch Christian Gerstner, der Vorbeter des Gebetsmarsches, an mindestens einer Marienprozession der Piusbruderschaft teil.
Zum Gebetsmarsch wurde in den sozialen Medien von „Österreich betet“ aufgerufen. In einer Videoansprache rief Ignaz Steinwender, katholischer Priester und Polizeiseelsorger der Erzdiozöse Salzburg, zur Teilnahme an den Veranstaltungen auf. In seiner Ansprache nannte Steinwender das Anliegen des angekündigten Gebetsmarsches und legte so die politische Schlagseite der Veranstaltung offen:
„Wir sollen [zu] Gott, vielleicht tun wir das diesen Mittwoch besonders, um Schutz beten. Zunächst ist es auch wichtig, dass wir für uns selbst geschützt sind, vor manchen Neigungen, Trieben und so weiter.
Dass wir beten um Schutz der Intimsphäre, der Privatsphäre, um Schutz des Lebens und alle Lebensschützer einschließen, Schutz der Familie. Und dass wir, das ist auch unsere Hauptaufgabe, für unser schönes Land Österreich beten, dass wir beten um Schutz von außen, dass wir beten um den inneren Schutz, den Schutz vor Ideologien, den Schutz auch vor inneren Zerfallserscheinungen. Ich glaube, das ist ein wichtiger Dienst für unser Land.“
Auf den Telegram-Kanal „Kanal Österreich betet“ wurde ein kurzer Aufruf von Ignaz Steinwender veröffentlicht. Die Mobilisierung zum Gebetsmarsch wurde unter anderem vom Rechtsextremisten und Verschwörungsideologen Martin Rutter unterstützt. Er teilte den Aufruf in seinem reichweitenstarken Telegram-Kanal.
Erwähnenswert ist die fehlende Bewerbung des Gebetsmarsches im Telegramkanal „Katholische Widerstand“ rund um den katholischen Fundamentalisten Alexander Tschugguel. Während der Corona-Pandemie, vor allem in den Jahren 2022 und 2023, war Tschugguel Hauptorganisator und Redner von Gebetsmärschen unter dem Motto „Rosenkranz für Österreich“. Tschugguel trat mehrfach auf verschwörungsideologischen Corona-Demonstrationen als Redner auf und war Mitveranstalter des antifeministischen „Marsch fürs Leben“.























