Wien: serbisch-nationalistische Kundgebung (24.03.2026)

Serbische Nationalist*innen, Rechtsextreme und linke Antiimperialist*innen demonstrierten am 24.03.2026 auf dem Wiener Stephansplatz. Anlass der Kundgebung war der Jahrestag des Beginns der NATO-Bombardierungen auf Serbien 1999.

Neben antiimperialistischen linken Organisationen wie die „Antiimperialistische Koordination“ und die „Solidarwerkstatt Österreich“ rief die Neonazigruppe „Brigada Beč“ zur Kundgebung auf. Die „Brigada Beč“ steht den Wiener Neonazigruppen „Tanzbrigade“ und „Division Wien“ sehr nahe und ist mit diesen eng verwoben. Diese Gruppe ist in der Vergangenheit mit Angriffen auf linke Personen sowie ein linkes Hausprojekt in Wien aufgefallen. 

Auf der Kundgebung waren die Rechtsextremen und Neonazis rund um die „Brigada Beč“ die sichtbarste Gruppe. Mit Parolen wie „Kosovo (je) Srbija!“ („Kosovo ist Serbien!“) und zwei Transparenten mit den Aufschriften „pamte srbi“ („Die Serben gedenken“) und „NATO zločine“  („NATO Verbrechen“) dominierten sie das Bild der Kundgebung. Auf einer Fahne mit dem Text „Nema Predaje“ („Keine Kapitulation“) war eine Karte Serbiens zu sehen in der Kosovo Teil des serbischen Staatsgebiets ist.

Ein Neonazi trug auf der Jacke das Emblem der „Jugoslovenski narodni pokret Zbor“ („Jugoslawischen Nationalbewegung ZBOR“). Hierbei handelt es sich um eine 1945 aufgelöste Partei die mit den Nationalsozialisten kollaborierte und sich an der Verfolgung von Jüd*innen und der Bekämpfung von Partisan*innen beteiligte.

Von einer Bühne aus wurden von mehreren Personen Reden gehalten. Zwischen den Redebeiträgen besang der Chor der „Prosvjeta Austrija“ die Zugehörigkeit Kosovos zu einem Großserbien. In Redebeiträgen wurden Kriegsverbrechen und Massaker an Kosovo-Albaner*innen durch serbische Einheiten verleugnet. Weiters schien sich keine der Redner*innen an der lauten und sichtbaren Präsenz Rechtsextremer an der Veranstaltung zu stören. Folgende Personen traten als Redner*innen auf:

    • Marijana Jovanović (Zeitzeugin)
    • Gordana Milanović Kovačević
    • Boris Lechthaler („Solidarwerkstatt Österreich“)
    • David Stockinger (ehem. SPÖ-Funktionar)
    • Arnold Paukowitsch (KPÖ, „Gewerkschaftsinitiative KOMintern“)
    • Andreas Wimmer („Stimmen für Neutralität“)
    • Wilhelm Langthaler („Antiimperialistische Koordination“, „Palästinasolidarität Österreich“)

      In einem Aufruf der „Antiimperialistischen Koordination“ wurden folgende Organisationen als Unterstützer*innen der Veranstaltung angeführt:

      • „Serbisch-Österreichische Solidaritätsbewegung“ (JÖSB)
      • „Gewerkschaftsinitiative KOMintern“
      • „Kommunistische Partei Österreich“ (KPÖ)
      • „Gewerkschaftlicher Linksblock“ (GLB)
      • „Initiative Plattform Demokratie“
      • „Stimmen für Neutralität“
      • Solidarwerkstatt Österreich
      • „Serbisch-Orthodoxer Jugendverein Innsbruck – SPOJI“
      • „Bildungs- und Kulturverein Prosvjeta Austrija“

      Die KPÖ Wien hat sich einen Tag nach der Demonstration von der Kundgebung distanziert und ihre Unterstützung zurückgezogen: https://wien.kpoe.at/2026/03/25/statement-zur-kundgebung-anlaesslich-des-nato-einsatzes-in-jugoslawien/

      Die Gruppen „Stimmen für Neutralität“, „Initiative Plattform Demokratie“ und „Antiimperialistische Koordination“ beteiligten sich in den vergangenen Wochen an Solidaritätskundgebungen für das Islamistische Regime im Iran.

      In seinem Redebeitrag verharmloste der Mitorganisator Wilhelm Langthaler den Nationalsozialismus in dem er sagte:

      „Und Hitler hat Russland überfallen und nach 5 Jahren haben sie verloren, sie sind zusammengebrochen. Und diese Weltordnung wird auch nicht bestehen. […] Und darum müssen wir uns vereingen, zusammenhalten gegen diese grauenhafte NATO-US-Israelische Weltordnung. […] Es Lebe Jugoslavien! Es lebe Serbien! Es lebe die Neutralität und der Frieden!“

      Erwähnenswert ist, dass Wilhelm Langthaler und die Gruppe „Antiimperialistische Koordination“ bereits wiederholt mit Rechtsextremen paktierten: schon im Jahr 2007 demonstrierten sie gemeinsam mit einer Gruppe Neonazis in Solidarität mit dem islamistischen Regime im Iran. Auch während der Coronapandemie beteiligte er sich an verschwörungsideologisch-antisemitischen Corona-Protesten. Die gemeinsame Kundgebung mit serbischen Nationalist*innen und Rechtsextremen, deren Anhänger einen guten Teil der Kundgebungsteilnehmenden ausmachten, stellen in dieser Querfrontbildung einen neuen Höhepunkt dar.

      Am 23.03.2026 fand in der Albert Hall in Wien aus dem selbigen Anlass wie die Kundgebung ein Symposium statt. Der Moderator der Veranstaltung war Dieter Reinisch, ein Journalist der unter anderem als Korrespondent des Iranischen TV-Senders „PressTV“ tätig ist.

      Weiters empfehlen wir die Bildstrecke unseres Kollegen Theo Winkler sowie den Videobericht unseres Kollegen Samuel Winter.