Am 8. Dezember 2025 fand in Wien vor dem Haupteingang des „Künstlerhaus“ eine Kundgebung der christlich-fundamentalistischen Organisation „Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“(TFP) statt. Die Organisatoren bezeichneten ihre Veranstaltung als „Rosenkranz-Sühnegebet“, mit dem sie eine „öffentliche Wiedergutmachung“ für die laut der Gruppe“blasphemische“ Ausstellung mit dem Titel „Du sollst dir ein Bild machen“ forderten. (https://www.kuenstlerhaus.at/besuch/kalender/ausstellung/475/du-sollst-dir-ein-bild-machen.html)
Etwa 15 TFP-Mitglieder sowie weitere 50 Personen versammelten sich vor dem Museum. Es wurden Reden gehalten, Parolen skandiert, Lieder gesungen sowie der Rosenkranz gebetet. Eine der Parolen war „Wiedergutmachung! Wiedergutmachung! Wiedergutmachung! Besinnliche Weihnachten statt beleidigender Blasphemie!“.
Auf Plakaten und Transparenten standen Botschaften wie: „BESINNLICHE WEIHNACHTEN STATT BLASPHEMIE“, „Respekt vor der Muttergottes! Die Gottesmutter war vor, während und nach der Geburt Jesu Jungfrau.“, „Satan ist rechtlos, weil das Böse keine Rechte haben kann!“, „Lasst Heiliges Heilig sein!“ und „BITTE GEGEN BLASPHEMIE HUPEN!“.
Die christlich-fundamentalistische TFP lieferte Ende November 2025 mit einer Petition gegen die Ausstellung den Stein des Anstoßes für eine breitere Debatte, in der Rechtsextreme sowie Konservative vereint durch die Brückenideologie „Antifeminismus“ einen Schulterschluss vollziehen. Der Nationalrats-Abgeordnete Wendelin Mölzer der rechtsextremen FPÖ sowie die Wiener ÖVP-Kultursprecherin Judith Edelmann kritisierten mittels Presseaussendungen die Ausstellung. Zudem übte der Rechtsextremist und FPÖ-Parteichef Herbert Kickl wie auch die Bundes-ÖVP via Postings in Sozialen Medien Kritik. Gemeinsam ist den Postings die Empörung über eine vermeintliche Verletzung religiöser Gefühle. Seitens der Bundes-ÖVP wird in einem Facebook-Posting explizit auf die Grenzen der Freiheit der Kunst verwiesen – „die Linken“ müssten „unsere Religion in Ruhe“ lassen. Während die ÖVP von einer „Provokation“ schreibt, sieht man in der FPÖ gar eine „Verhöhnung christlicher Werte“ und fordert eine Prüfung auf parlamentarischer Ebene, ob die Ausstellung aus öffentlichen Mitteln mitfinanziert wurde.
Die ÖVP-Vorfeldorganisation „Plattform Christdemokratie“ und ihre Unterorganisation „Meldestelle Christenfeindlichkeit“ veröffentlichten zahlreiche Stellungnahmen gegen die Ausstellung. Der Wiener ÖVP-Gemeinderat Jan Ledóchowski ist Präsident ersterer und Vorsitzender zweiterer Organisation.
„Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP) ist eine katholisch-traditionalistische und monarchistische Organisation, die in zahlreichen Ländern Ableger hat. Mitglieder des österreichischen Ablegers von TFP beteiligten sich in den vergangenen Jahren in Wien an rechtsextremen Veranstaltungen wie dem „Marsch für die Familie“ sowie an christlich-fundamentalistischen Demonstrationen wie dem „Marsch fürs Leben“. Innerhalb der internationalen antifeministischen Bewegung stellt TFP eine der einflussreichsten und wirtschaftlich stärksten Organisationen dar. Im 2025 veröffentlichten Bericht „The Next Wave: How Religious Extremism Is Regaining Power“ (https://www.epfweb.org/node/1147) des „European Parliamentary Forum on Sexual and Reproductive Rights“ steht, vierzehn mit TFP assoziierte Organisationen würden zu den weltweit best finanzierten antifeministischen Organisationen zählen.
Der Sitz des Wiener Ablegers der „Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ befindet sich in der Gußhausstraße 10 im vierten Wiener Gemeindebezirk. An dieser Adresse haben mehrere konservative bis traditionalistische Organisationen und Vereine ihren Sitz bzw. eigene Räumlichkeiten. Mehrere dieser Gruppen können auch als monarchistisch bezeichnet werden bzw. bezeichnen sich selber so.
Folgende Organisationen haben ebenfalls in der Gußhausstraße 10 ihren Sitz bzw. eigene Räumlichkeiten:
- „Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“
- „Österreichische Jugend für eine christlich-kulturelle Gesellschaft im deutschsprachigen Raum“ (Ö.J. – C.G.D.R.)
- „Katholische-österreichische Landsmannschaft Leopoldina“
- „Katholisch-österreichische Landsmannschaft Maximiliana“
- „Katholischer Akademische Verbindung“
- Standort Karlskirche der „Katholischen Hochschulgemeinde“ (KHG). Träger dieses Standorts ist die fundamentalistische Organisation „Opus Dei“.
Für detailliertere Hintergründen der Entstehung, Ideologie und Organisation der „Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ können wir den Bericht „Modern day crusaders in Europe.“ (https://www.epfweb.org/node/610) des „European Parliamentary Forum on Sexual and Reproductive Rights“ empfehlen.
Weiters empfehlen wir die Bildstrecke unseres Kollegen Theo Winkler zur Kundgebung:


































































