Wien: Marsch fürs Leben (04.10.2025)

Am 04.10.2025 fand in Wien die jährliche christlich-fundamentalistische Demonstration „Marsch fürs Leben“ statt. Diese Veranstaltung wird vom Verein „Marsch fürs Leben“ organisiert und richtet sich hauptsächlich gegen die Fristenlösung in Österreich, die Abtreibungen zwar nicht legal, aber bis zum Ende der ersten drei Schwangerschaftsmonate straffrei macht. Vorsitzende des Vereins ist Felicitas Trachta, und der stellvertretende Vorsitzende ist Ludwig Brühl, der als Moderator auf der Demonstration auftrat.

Vor Beginn der Demonstration fand in der Wiener Karlskirche ein Gottesdienst unter dem Motto „Messe für das ungeborene Leben“ statt, das gemeinsam mit den Organisator*innen des „Marsch für die Familie“ organisiert wurde. Die Messe wurde vom ehemaligen Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, zelebriert. Nach erhobenen Vorwürfen 2019 wurde gegen Küng wegen „versuchter Vergewaltigung“ ermittelt, das Verfahren jedoch wegen Verjährung eingestellt. Im Jahr 2022 urteilte das OLG Wien, dass „die Missbrauchsvorwürfe [Wolfgang F.] Rothes belegbar“ seien (https://www.katholisch.de/artikel/33051-olg-wien-weist-klage-von-bischof-kueng-gegen-buch-von-wolfgang-rothe-ab).

Nach der Messe strömten die Besucher*innen in die Startkundgebung des „Marsch fürs Leben“, wo zahlreiche Redebeiträge gehalten wurden. Folgende Personen haben bei der Start- und der Endkundgebung gesprochen:

  • Ruben Avran (Pastor der Pfingstkirche „Elim Brunn“)
  • Maria Czernin („ProLifeEurope“)
  • Leopold Stolberg („Jugend für das Leben“)
  • Caroline Hungerländer (ÖVP)
  • Hubert Keil (FPÖ)
  • Sebastian Mull („Charlie Kirk Award“)

Zum „Marsch fürs Leben“ riefen nicht nur die Organisator*innen selber auf, sondern eine Vielzahl von Gruppen und Organisationen, wie etwa die traditionalistische „Piusbruderschaft“ (Priesterbruderschaft St. Pius X.), die christlich fundamentalistische und monarchistische „Österreichische Gemeinschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP), der Telegramkanal „Katholischer Widerstand“, der dem fundamentalistischen „St. Boniface Institute“ rund um Alexander Tschugguel zugeordnet werden kann, sowie die Wiener Karlskirche und die Pfarre „St. Rochus und Sebastian“.

Am „Marsch fürs Leben“ beteiligten sich zahlreiche antifeministische Organisationen, die zum Teil Informationsstände am Ort der Start- und Endkundgebung, vor der Karlskirche, aufgebaut hatten. Folgende Organisationen waren vertreten:

  • „Jugend für das Leben“
  • „ProLifeEurope“
  • „fairändern“
  • „SundaysForLife“
  • „Shalom World“
  • „CitizenGO“
  • „1000Plus“
  • „Kreuzträger“
  • „SaveOne Europe“
  • „ADF International“

Der „Marsch fürs Leben“ zog, wie bereits in den vergangenen Jahren, Teilnehmer*innen aus konservativen bis rechtsextremen Kreisen an. Das Spektrum bewegte sich von ÖVP-Funktionär*innen bis hin zu neofaschistischen „Identitären“. Von katholischen Bischöfen bis hin zu militanten Neonazis.

Unter den Teilnehmer*innen befanden sich aus der ÖVP die Wiener Landtagsabgeordneten Caroline Hungerländer und Jan Ledochovsky sowie die Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler. Aus der rechtsextremen FPÖ beteiligten sich der Salzburger Gemeinderat Paul Dürnberger sowie der niederösterreichische Landtagsabgeordnete Hubert Keyl. Keyl sorgte in der Vergangenheit durch seine Kontakte zum Neonazi Gottfried Küssel für Schlagzeilen.

Aus der Gruppe der religiösen Würdenträger*innen nahmen neben zahlreichen Priestern und Nonnen der ehemalige Bischof von St. Pölten Klaus Küng, Stephan Turnowsky (Weihbischof der Erzdiözese Wien), Franz Scharl (Weihbischof der Erzdiözese Wien) sowie Yuriy Kolasa (Generalvikar des Ostkirchenordinariats in Österreich ukrainischen Gemeinde) an der Demonstration teil.

Aus der extremen Rechten nahmen mehrere deutschnationale Burschenschafter sowie neofaschistische „Identitäre“ teil. Auch eine Gruppe Neonazis, die dem Gruppengeflecht rund um die „Tanzbrigade“, „Division Wien“ sowie der „Brigada Beč“ angehören, war dieses Jahr anzutreffen. Ebenfalls vor Ort war der Generalsekretär des prorussischen „Suworow Institut“, Alexander Marcovics.

Unter den Mitorganisator*innen und Ordnern der Kundgebung befanden sich mehrere Personen, die in der Vergangenheit an rechtsextremen Demonstrationen teilgenommen haben. Hier sind etwa die langjährigen Mitorganisatoren des Marsches Andreas Gappmaier und Alexander Trachta zu nennen, die bereits wiederholt auf rechtsextremen Demonstrationen der „Identitären“ oder des Antisemiten Martin Rutter zugegen waren.

Die Verbindungen zur extremen Rechten seitens der Organisator*innen und den großteils christlich fundamentalistischen Teilnehmer*innen des „Marsch fürs Leben“ ergeben sich nicht nur durch die Teilnahme einschlägiger Personen an den Kundgebungen, sondern auch durch große ideologische Schnittmengen, die sich etwa in der Brückenideologie Antifeminismus besonders offen zeigen.

Passend dazu verkündete der Moderator und Mitorganisator Ludwig Brühl gegen Ende des „Marsch fürs Leben“, dass der am 10.09.2025 bei einem Anschlag ums Leben gekommene rechtsextreme Charlie Kirk „ein Mann zum Nachahmen war“.